Die Geschichte von Notes/Domino – Von PLATO bis HCL (1973–2026)
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Die Geschichte von Notes/Domino – Von PLATO bis HCL (1973–2026)

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Kaum ein Softwareprodukt kann auf eine so bewegte und lange Geschichte zurückblicken wie Notes/Domino. Von einer Idee an einer amerikanischen Universität in den 1970er-Jahren über den Aufstieg zur weltweit führenden Groupware-Plattform bis hin zur Übernahme durch HCL Technologies – die Geschichte von Notes/Domino ist eine Geschichte von Pioniergeist, Innovation und Beständigkeit.
Dieser Beitrag zeichnet die gesamte Chronologie nach – Jahr für Jahr, mit den beteiligten Personen, technischen Meilensteinen und zahlreichen Bildquellen zum Nachschlagen.
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Hinweis zu Bildmaterial: Aus lizenzrechtlichen Gründen werden in diesem Artikel keine Bilder gezeigt. Im Text sind jedoch zahlreiche Links zu historischen Fotos, Screenshots und Videos eingebettet – einfach auf die jeweiligen Links klicken, um das Bildmaterial direkt beim Originalanbieter anzusehen.
 
Inhaltsverzeichnis
A. Die Vorgeschichte: PLATO Notes (1973–1983)1973 – PLATO Notes an der University of Illinois1976 – PLATO Group NotesB. Die Geburtsstunde: Iris Associates (1984–1989)1984 – Ray Ozzie und die Gründung von Iris Associates1985 – Erste Demonstration1988 – Lotus übernimmt Iris AssociatesC. Lotus Notes 1.0 – Der Start (1989)7. Dezember 1989 – Lotus Notes 1.0 wird veröffentlichtD. Die 1990er: Rasanter Aufstieg1990 – Lotus Notes 1.11991 – Lotus Notes 2.01993 – Lotus Notes 3.01994 – Lotus Notes 3.1 und 3.21995 – IBM übernimmt Lotus Development Corporation1995 – Lotus Notes 3.31996 – Lotus Notes 4.0 und die Geburt von "Domino"E. Die 2000er: Web-Integration und Enterprise-Dominanz1999 – Lotus Notes/Domino 5.02002 – Lotus Notes/Domino 6.02005 – Lotus Notes/Domino 7.02007 – Lotus Notes/Domino 8.02008 – Lotus Notes/Domino 8.5F. Die Marken-Umbenennungen (2012–2013)2012 – Das Ende der Marke "Lotus"2013 – IBM Notes/Domino 9.0 (Social Edition)G. Die HCL-Ära beginnt (2017–heute)2017 – IBM und HCL Technologies werden Partner2018 – HCL Notes/Domino 10.0Dezember 2018 – IBM verkauft Notes/Domino an HCLJuli 2019 – Übernahme abgeschlossenDezember 2019 – HCL Notes/Domino 11.0H. Die moderne Ära: HCL Notes/Domino 12–14.5.1 (2021–2026)Juni 2021 – HCL Notes/Domino 12.0Dezember 2023 – HCL Notes/Domino 14.0Juni 2025 – HCL Notes/Domino 14.5März 2026 – HCL Notes/Domino 14.5.1 (Notes/Domino 2026)I. Versionsübersicht auf einen BlickJ. Die wichtigsten Eigentümer im ÜberblickK. Weiterführende Ressourcen und BildquellenL. Fazit
 

A. Die Vorgeschichte: PLATO Notes (1973–1983)

1973 – PLATO Notes an der University of Illinois

Die Wurzeln von Notes reichen zurück ins CERL (Computer Education Research Laboratory) der University of Illinois at Urbana-Champaign. Dort entwickelte David R. Woolley im Jahr 1973 eine Anwendung namens PLATO Notes – ein einfaches Message-Board-System auf dem PLATO-Computersystem.
PLATO Notes ermöglichte es Benutzern, Nachrichten mit einer eindeutigen Benutzer-ID und einem Zeitstempel zu versehen. Hauptzweck war die Bug-Dokumentation, aber das System legte den Grundstein für spätere Groupware-Konzepte.

1976 – PLATO Group Notes

Das CERL veröffentlichte PLATO Group Notes, eine Erweiterung mit Gruppendiskussionsfunktionen – ein frühes Konzept dessen, was später als "Collaboration Software" bekannt werden sollte.
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Bildquellen zur PLATO-Ära:

B. Die Geburtsstunde: Iris Associates (1984–1989)

1984 – Ray Ozzie und die Gründung von Iris Associates

Am 7. Dezember 1984 unterzeichneten Ray Ozzie und Mitch Kapor (Gründer der Lotus Development Corporation) einen Vertrag, der die Geschichte der Unternehmenssoftware nachhaltig verändern sollte.
Ozzie hatte in den 1970er-Jahren am PLATO-System gearbeitet und später bei Software Arts (VisiCalc) und Lotus Development Erfahrung gesammelt. Zusammen mit Tim Halvorsen und Len Kawell – ebenfalls PLATO- und DEC-Veteranen – gründete er Iris Associates in Westford, Massachusetts.
Mitch Kapor finanzierte das Projekt mit einer Anfangsinvestition von 1,2 Millionen US-Dollar. Kapor bezeichnete dies später als die beste Geldanlage seines Lebens.
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Schlüsselpersonen:
  • Ray Ozzie – Visionär, Gründer und CEO von Iris Associates, später Chief Software Architect bei Microsoft
  • Mitch Kapor – Gründer von Lotus Development Corporation (bekannt durch Lotus 1-2-3)
  • Tim Halvorsen – Mitgründer von Iris Associates, Co-Architekt von Notes
  • Len Kawell – Mitgründer von Iris Associates, Co-Architekt von Notes
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Bildquellen zu den Gründern:

1985 – Erste Demonstration

Eine erste Version von Notes wird unter dem Betriebssystem Windows vorgestellt. Die Entwicklung geht intern bei Iris Associates weiter. Die Struktur war ungewöhnlich: Iris kontrollierte die Produktentwicklung, während Lotus den Vertrieb und das Marketing übernahm.

1988 – Lotus übernimmt Iris Associates

Nachdem Mitch Kapor das Potenzial von Ozzies Arbeit erkannt hatte, übernahm Lotus Development Corporation die Firma Iris Associates als Tochterunternehmen. Die Entwicklungsarbeit blieb jedoch weitgehend unabhängig.
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Fun Fact: Noch vor der Veröffentlichung von Version 1.0 war der Chef von Price Waterhouse so beeindruckt von einer Vorab-Demo, dass er 10.000 Kopien von Lotus Notes bestellte – der bis dahin größte Einzelverkauf eines PC-Software-Produkts überhaupt.

C. Lotus Notes 1.0 – Der Start (1989)

7. Dezember 1989 – Lotus Notes 1.0 wird veröffentlicht

Auf den Tag genau fünf Jahre nach der Vertragsunterzeichnung zwischen Kapor und Ozzie wurde Lotus Notes 1.0 offiziell angekündigt. Die erste Version lief unter DOS 3.1 und OS/2 und wurde über 35.000 Mal verkauft.
Revolutionäre Features für das Jahr 1989:
  • RSA Public-Key-Verschlüsselung – das erste kommerziell vertriebene Produkt mit RSA-Kryptografie
  • Digitale Signaturen und Authentifizierung
  • Einwahlfunktionalität (Dial-up)
  • Zugriffskontrolle (Access Control Lists)
  • E-Mail mit Empfangsbestätigungen
  • Datenimport und -export
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Bildquellen zu Lotus Notes 1.0:

D. Die 1990er: Rasanter Aufstieg

1990 – Lotus Notes 1.1

Ein kleineres Update mit restrukturiertem Code und Portabilitätsschichten, das die Grundlage für künftige Plattformunabhängigkeit legte.

1991 – Lotus Notes 2.0

Ein Major Release mit Fokus auf Skalierbarkeit. Iris Associates wollte Notes für bis zu 10.000 Benutzer fit machen und damit auch große Unternehmen ansprechen. Neue Features:
  • Erweiterte Formelsprache (@Funktionen)
  • Adresssuche in Mails
  • Mehrere Namens- und Adressbücher
  • Empfangsbestätigungen für Memos
  • Größere Datenbanken
Große Organisationen begannen nun, Lotus Notes flächendeckend einzusetzen.
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Bildquelle Lotus Notes 2.0: stellarinfo.com – Complete History (mit Screenshot)

1993 – Lotus Notes 3.0

Im Mai 1993 erschien Release 3.0 (Build 114.3c – der 114. erfolgreiche Build!). Zu diesem Zeitpunkt nutzten bereits über 2.000 Unternehmen und fast 500.000 Personen Lotus Notes.
Wichtigste Neuerungen:
  • Cross-Platform-Kompatibilität (Windows, OS/2, Macintosh, Unix)
  • Überarbeitete Benutzeroberfläche
  • Erster Rewrite des Datenbanksystems (NIF)
  • Unterstützung für bis zu 200 gleichzeitige Benutzer pro Server
  • Einführung hierarchischer Benutzernamen (Release 3.0)
  • Replikation – ein bis heute einzigartiges Konzept für die Synchronisation von Daten zwischen Servern und Offline-Clients
Der Preis wurde reduziert, um einen größeren Markt anzusprechen.
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Bildquelle Lotus Notes 3.0: angelfire.com – History of Lotus Notes (mit originalem Screenshot)

1994 – Lotus Notes 3.1 und 3.2

  • Februar 1994: Notes 3.1
  • Oktober 1994: Notes 3.2
Kontinuierliche Verbesserungen in Stabilität und Performance. Lotus erwarb in diesem Jahr vollständig die Kontrolle über Iris Associates.

1995 – IBM übernimmt Lotus Development Corporation

Am 5. Juni 1995 kündigte IBM unter CEO Lou Gerstner ein feindliches Übernahmeangebot für Lotus Development Corporation an – zunächst für 60 US-Dollar pro Aktie. Am 11. Juni einigten sich die Unternehmen auf 64 US-Dollar pro Aktie, insgesamt 3,52 Milliarden US-Dollar.
Es war die größte Softwareübernahme aller Zeiten zu diesem Zeitpunkt. IBM wollte vor allem Lotus Notes – die führende Groupware-Plattform – und den Zugang zu Unternehmenskunden.
Der Deal wurde am 6. Juli 1995 abgeschlossen. Lotus wurde zur Lotus Development Division innerhalb von IBM.
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Schlüsselpersonen der IBM-Übernahme:
  • Lou Gerstner – IBM CEO (1993–2002), trieb die Übernahme voran
  • John M. Thompson – IBM Senior VP, schlug die Akquisition vor
  • Jim Manzi – CEO von Lotus Development, akzeptierte letztlich das erhöhte Angebot
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Bildquellen zur IBM-Übernahme und Personen:

1995 – Lotus Notes 3.3

Noch unter dem Label "Lotus" erschien Version 3.3 im Februar 1995.

1996 – Lotus Notes 4.0 und die Geburt von "Domino"

Im Januar 1996 erschien Lotus Notes 4.0 – ein Meilenstein mit komplett überarbeiteter Benutzeroberfläche basierend auf Kundenfeedback. Bei der Vorstellung auf der Lotusphere (der jährlichen Benutzerkonferenz) gab es Standing Ovations.
Neue Features:
  • Integration von Web-Technologien (InterNotes Web Publisher)
  • LotusScript als Programmiersprache
  • Notes-Dokumente als HTML-Seiten im Browser anzeigbar
Im Dezember 1996 folgte Lotus Notes 4.5 – und mit ihm die Umbenennung des Servers:
Der Server heißt ab sofort "Domino" – eine eigenständige Marke.
Neue Funktionen in 4.5:
  • Nativer HTTP-Server
  • POP3 und SMTP/MIME Support
  • Kalender und Terminplanung
  • Java-Unterstützung
  • Mobiles Firmenadressbuch
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Bildquellen Lotus Notes 4.0 / 4.5:

E. Die 2000er: Web-Integration und Enterprise-Dominanz

1999 – Lotus Notes/Domino 5.0

Release 5.0 war intern als Build 160 bekannt – der 160. erfolgreiche Build seit 1984. Das Release enthielt Architekturelemente, die bis zur Version 1.0 zurückreichten.
Neuerungen:
  • Komplett neue Benutzeroberfläche mit Browser-ähnlichen Elementen
  • Erweiterte Web-Integration
  • Unterstützung zahlreicher Internet-Protokolle
  • Verfügbar für Unix, Netware, Windows NT/95/98 und OS/2
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Bildquelle Notes 5.0: angelfire.com – History of Lotus Notes (mit Screenshot)

2002 – Lotus Notes/Domino 6.0

Im September/Oktober 2002 erschien Version 6.0. IBM positionierte das Release als Antwort auf zunehmenden Wettbewerb (vor allem Microsoft Exchange):
  • Verbesserte Skalierbarkeit und Performance
  • Reduzierter Administrationsaufwand
  • Erweiterte Kalender- und Planungsfunktionen
  • Erste umfassende Public Key Infrastructure (PKI) – ein Meilenstein in Sachen Sicherheit
  • Code-Wiederverwendung und schnellere Entwicklung
IBM reagierte auch mit günstigeren Preisen, um Marktanteile zurückzugewinnen.
Version 6.5 (September 2003) brachte eine engere Integration mit anderen IBM/Lotus-Produkten wie Domino Web Access (iNotes) und Sametime Instant Messaging.
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Bildquelle Notes 6.0: stellarinfo.com – Complete History (mit Screenshot)

2005 – Lotus Notes/Domino 7.0

Version 7.0 erschien im August 2005 mit dem Ziel, Deployment und Administration weiter zu vereinfachen:
  • DB2-Integration für Domino-Anwendungen
  • Verbesserte Web-Integration
  • Stärkere Verschlüsselung
  • Performance-Optimierungen im Server
  • Verfügbar für Windows, macOS, Linux/x86
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Bildquelle Notes 7.0: stellarinfo.com – Complete History (mit Screenshot)

2007 – Lotus Notes/Domino 8.0

Version 8.0 wurde im August 2007 veröffentlicht und markierte einen fundamentalen Wandel:
  • Eclipse-basierter Client (IBM Lotus Expeditor)
  • Open-Source, Java-basierte Plattform
  • Komplett überarbeitete Benutzeroberfläche
  • Neue Produktivitätstools
  • Integration von IBM Lotus Symphony (Office-Suite)
  • Widgets und Google Gadgets (in späteren Minor Releases)

2008 – Lotus Notes/Domino 8.5

Version 8.5 brachte im Dezember 2008 weitere bedeutende Neuerungen:
  • XPages-Technologie – basierend auf JavaServer Faces, ermöglichte sie die Entwicklung moderner Web-Anwendungen direkt in Domino
  • Erweiterte Eclipse-Client-Integration
  • Verbesserte UI-Performance und Stabilität
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Bildquelle Notes 8.0: stellarinfo.com – Complete History (mit Screenshot)

F. Die Marken-Umbenennungen (2012–2013)

2012 – Das Ende der Marke "Lotus"

IBM beschloss, die Marke "Lotus" einzustellen. Alle Produkte wurden künftig unter dem Namen "IBM" geführt.

2013 – IBM Notes/Domino 9.0 (Social Edition)

Im März 2013 erschien Version 9.0 – das Produkt hieß nun offiziell "IBM Notes" und "IBM Domino".
Neuerungen:
  • Optimierte Client-Unterstützung (Browser, nativer Client, mobile Geräte)
  • iOS, Android, BlackBerry 10 und Windows 8 Support
  • Verbesserte iNotes-Integration
  • Notes Traveler für mobile Synchronisation
  • Entfernung der IBM Lotus Symphony-Integration
⚠️
Die stille Phase: Nach Version 9.0 folgten bis 2017 keine bedeutenden Major Updates. IBM konzentrierte sich auf Cloud, Watson (KI), Blockchain und Security. Notes/Domino rückte in den Hintergrund. Viele Kunden und Partner waren frustriert über den mangelnden Fortschritt.

G. Die HCL-Ära beginnt (2017–heute)

2017 – IBM und HCL Technologies werden Partner

Im Dezember 2017 kündigte IBM eine strategische Partnerschaft mit dem indischen IT-Dienstleister HCL Technologies an:
  • HCL übernahm die Entwicklung und den Service von Notes, Domino und Sametime
  • Vertrieb und Marketing blieben zunächst bei IBM
  • HCL erhielt eine Umsatzbeteiligung
  • Beide Unternehmen planten gemeinsam Version 10
Viele ehemalige IBM-Mitarbeiter wurden von HCL übernommen oder neu eingestellt. Die Stimmung in der Community verbesserte sich deutlich.

2018 – HCL Notes/Domino 10.0

Im Oktober 2018 wurde Notes/Domino 10.0 veröffentlicht – das erste Release unter maßgeblicher HCL-Entwicklung. HCL bewies, dass in weniger als einem Jahr eine vollwertige neue Version möglich war.
Neuerungen:
  • Domino Query Language (DQL)
  • Verbessertes Cluster-Replication
  • Performance-Monitoring-Interface
  • REST API via HTTP-Interface
  • CentOS-Unterstützung
  • IBM Verse on Premises
  • Sametime Chat

Dezember 2018 – IBM verkauft Notes/Domino an HCL

Am 6. Dezember 2018 gab IBM bekannt, eine Reihe von Softwareprodukten an HCL zu verkaufen – darunter Notes & Domino, Connections, Sametime, Unica, BigFix und weitere. Der Gesamtdeal belief sich auf 1,8 Milliarden US-Dollar.
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Schlüsselpersonen der HCL-Übernahme:
  • Shiv Nadar – Gründer und Chairman von HCL Technologies
  • C. Vijayakumar – CEO von HCL Technologies
  • Richard Jefts – General Manager, HCL Digital Solutions (später verantwortlich für Notes/Domino)
  • Andrew Manby – VP Product Management, HCL Digital Solutions

Juli 2019 – Übernahme abgeschlossen

Die Übernahme wurde im Juli 2019 formell abgeschlossen. Notes/Domino war nun vollständig in der HCL Software Division beheimatet. Das Produkt hieß fortan HCL Notes und HCL Domino.

Dezember 2019 – HCL Notes/Domino 11.0

Am 20. Dezember 2019 – genau 30 Jahre nach der Veröffentlichung von Version 1.0 – erschien Version 11.0:
  • SwiftFile KI-Assistent für Mail-Organisation
  • 128-Bit AES-Verschlüsselung für lokale Datenbanken
  • Verbesserungen für Administratoren, Business User und Entwickler
  • Sametime 11 und Connections 6.5 ebenfalls verfügbar

H. Die moderne Ära: HCL Notes/Domino 12–14.5.1 (2021–2026)

Juni 2021 – HCL Notes/Domino 12.0

Version 12.0 öffnete die Plattform für die Cloud:
  • HCL Nomad Web – Notes-Anwendungen direkt im Browser ausführen
  • HCL Domino REST API (vormals "Keep")
  • Active Directory-Integration für die Benutzerverwaltung
  • Cloud-native Deployment-Optionen
  • AutoInstall für vereinfachte Serverinstallation
Nachfolgende Releases 12.0.1 (Dezember 2021) und 12.0.2 (Dezember 2023) brachten kontinuierliche Verbesserungen.

Dezember 2023 – HCL Notes/Domino 14.0

Mit Version 14.0 setzte HCL die Modernisierung konsequent fort:
  • Modernisierte REST API
  • Benutzerverwaltung auch für Nicht-Administratoren
  • Erweitertes Domino Restyle für modernere Anwendungsoptik
  • Deutlich verbesserte Sicherheitsfunktionen
  • HCL Domino Leap für Low-Code-Entwicklung

Juni 2025 – HCL Notes/Domino 14.5

Version 14.5 brachte bedeutende Innovationen:
  • Domino IQ – erste KI-gestützte Funktionen direkt auf der Plattform (lokale Inferenz)
  • AutoUpdate und erweiterte AutoInstall-Funktionalität
  • Erweiterte REST API
  • Sametime Web Chat/PWA Integration
  • Verbesserte Sicherheit und moderne Authentifizierungsdienste
  • iNotes wurde mit diesem Release eingestellt (ersetzt durch HCL Verse)

März 2026 – HCL Notes/Domino 14.5.1 (Notes/Domino 2026)

Die aktuellste Version zum Zeitpunkt dieses Artikels:
  • Domino IQ mit RAG (Retrieval Augmented Generation) – KI auf eigenen Daten, ohne Cloud
  • Komplett modernisiertes UI – neue Schriftart Inter, überarbeitetes Properties Panel, modernisierte Steuerelemente
  • OIDC-Authentifizierung für den Notes Client
  • Neuer Windows-Installer (Installation in ~38 Sekunden)
  • Integrierter Sametime Web Chat mit Lesebestätigungen und Reaktionen
  • Neue System-Templates mit modernem Look & Feel

I. Versionsübersicht auf einen Blick

Version
Datum
Eigentümer / Highlights
Lotus Notes 1.0
Dez. 1989
Iris/Lotus – Erste Version, RSA-Verschlüsselung, 35.000 verkaufte Kopien
Lotus Notes 1.1
Aug. 1990
Iris/Lotus – Restrukturierter Code
Lotus Notes 2.0
1991
Iris/Lotus – Skalierbarkeit für Großunternehmen
Lotus Notes 3.0
Mai 1993
Iris/Lotus – Cross-Platform, Replikation, bis 200 User/Server
Lotus Notes 3.1
Feb. 1994
Iris/Lotus
Lotus Notes 3.2
Okt. 1994
Iris/Lotus
Lotus Notes 3.3
Feb. 1995
Iris/Lotus
Lotus Notes 4.0
Jan. 1996
IBM/Lotus – Neues UI, LotusScript, Web-Integration
Lotus Notes/Domino 4.5
Dez. 1996
IBM/Lotus – Server wird "Domino", HTTP, POP3, Kalender
Lotus Notes/Domino 5.0
1999
IBM/Lotus – Browser-UI, Internet-Protokolle
Lotus Notes/Domino 6.0
Sep. 2002
IBM/Lotus – PKI, verbesserte Skalierbarkeit
Lotus Notes/Domino 6.5
Sep. 2003
IBM/Lotus – Sametime-Integration, iNotes
Lotus Notes/Domino 7.0
Aug. 2005
IBM/Lotus – DB2-Integration, Linux-Support
Lotus Notes/Domino 8.0
Aug. 2007
IBM/Lotus – Eclipse-Client, Lotus Symphony
Lotus Notes/Domino 8.5
Dez. 2008
IBM/Lotus – XPages-Technologie
IBM Notes/Domino 9.0
Mär. 2013
IBM – Umbenennung von "Lotus" zu "IBM", Social Edition
HCL Notes/Domino 10.0
Okt. 2018
IBM/HCL – DQL, REST API, erstes HCL-Entwicklungsrelease
HCL Notes/Domino 11.0
Dez. 2019
HCL – SwiftFile, AES-128, 30-jähriges Jubiläum
HCL Notes/Domino 12.0
Jun. 2021
HCL – Nomad Web, REST API, Active Directory
HCL Notes/Domino 14.0
Dez. 2023
HCL – Domino Restyle, modernisierte REST API
HCL Notes/Domino 14.5
Jun. 2025
HCL – Domino IQ (KI), AutoUpdate, Sametime PWA
HCL Notes/Domino 14.5.1
Mär. 2026
HCL – RAG, neues UI, OIDC, neuer Installer

J. Die wichtigsten Eigentümer im Überblick

Eigentümer
Zeitraum
Bedeutung
Iris Associates
1984–1988
Gründung durch Ray Ozzie, Tim Halvorsen, Len Kawell. Entwicklung von Notes 1.0.
Lotus Development Corporation
1988–1995
Übernahme von Iris, Vertrieb und Vermarktung von Lotus Notes. Firmengründer: Mitch Kapor.
IBM
1995–2019
Übernahme von Lotus für 3,5 Mrd. USD. Weiterentwicklung bis Version 9.0, dann Stagnation.
HCL Technologies
2017–heute
Erst Entwicklungspartner (2017), dann vollständiger Eigentümer (2019, 1,8 Mrd. USD). Massive Weiterentwicklung.

K. Weiterführende Ressourcen und Bildquellen

Für weitere historische Bilder und Details empfehle ich folgende Quellen:

L. Fazit

Die Geschichte von Notes/Domino ist eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten der Softwarebranche. Was 1973 als einfaches Message-Board an einer Universität begann, wurde zur weltweit führenden Groupware-Plattform, die in ihrer Blütezeit von Zehntausenden Unternehmen und Millionen von Anwendern genutzt wurde.
Trotz aller Eigentümerwechsel – von Iris Associates über Lotus und IBM bis zu HCL – hat sich Notes/Domino als erstaunlich langlebig und anpassungsfähig erwiesen. Unter HCL erlebt die Plattform seit 2017 eine Renaissance: mit modernem UI, KI-Integration, Cloud-Funktionen und einer aktiven Weiterentwicklung.
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