Warum Policies manchmal nicht funktionieren

Neu seit Version 6 gibt es Policies. Eine komfortable Möglichkeit, diverse Client-Einstellungen (Archiving, Desktop, Registration, Security und Setup) zentral durch die Administration zu steuern.

Aus der Praxis hört man allerdings auch von Problemen beim Einsatz von Policies. So berichten Administratoren, dass die festgelegten Einstellungen

  • überhaupt nicht,
  • nur nach x-fachem Neustart des Clients oder
  • erst am nächsten Tag

wirksam werden. Ich möchte und kann jetzt nicht behaupten, dass die Policies absolut fehlerfrei funktionieren – einige der Unstimmigkeiten haben aber einen nachvollziehbaren Grund.

Wie funktionieren Policies?
Sobald Policies auf dem Domino Server aktiviert wurden, werden die in den Settings-Dokumenten festgelegten Einstellungen für die zutreffenden Clients beim nächsten Neustart wirksam. Welcher Client welche Settings übernimmt, wird in dem für die jeweiligen Settings-Dokumente geltenden Policy-Dokument festgelegt. Eine organisationsbezogene oder explitze Zuweisung der Policies stehen zur Auswahl.

Nach dem Neustart des Clients sorgt der DCC Prozess (Dynamic Client Configuration) dafür, dass die in den Policies festgelegten Einstellungen im Notes Client aktiviert werden.

Der DCC Prozess selbst existiert bereits seit Notes R5.x und sorgte schon zu 5er Zeiten dafür, dass Client-spezifische Einstellungen der Administration automatisch wirksam werden. Eine Übernahme der im Personendokument hinterlegten Internet Absender Mailadresse in das Arbeitsumgebungsdokument des Clients kann als Beispiel genannt werden.


Datei ndyncfg.exe des ND6.x Clients

 

Wer schnell ist und einen guten Tag erwischt hat, kann den DCC Prozess sogar während seiner (meist sehr kurzen Arbeitsdauer) im Windows Task-Manager beobachten. Im Notes Programmverzeichnis existiert die hierzu gestartete Datei ndyncfg.exe.

So viel zum technischen Hintergrund. Bei meinen Tests sind mir die folgenden Faktoren aufgefallen, die eine Erklärung für einen Teil der oben genannten Probleme liefern.

Zweimal ist besser als einmal
Etliche der verfügbaren Einstellungen in den Settings-Dokumenten sorgen für eine Änderung in der Datei NOTES.INI des Clients. So werden zusätzliche Parameter hinzugefügt oder bestehende aktualisiert. Genau das passiert auch zuverlässig beim Neustart des Clients.

Da der Notes Client i.d.R. Parameter in der Datei NOTES.INI aber nur während seines Starts liest, beachtet er zur Laufzeit die neu hinzugefügten oder durch den DCC Prozess modifizierten Parameter nicht.

Erst nach einem weiteren Neustart wirken sich die Änderungen in der NOTES.INI aus.

In der Ruhe liegt die Kraft
Das ist mir selbst schon passiert:

Man ändert Einstellungen in den Settings- oder Policy-Dokumenten, startet den Notes Client neu und… es passiert nichts. Stark frustriert begibt man sich in den wohlverdienten Feierabend. Am nächsten Tag nach dem Starten des Notes Clients sind die Einstellungen plötzlich aktiv.

Dieses Verhalten kann folgende Ursache haben:

Wenn Sie denn Notes Client beenden und sehr schnell einen Neustart durchführen, ist die zuvor gestartete Instanz des Clients möglicherweise noch nicht vollständig terminiert.


Windows XP Task-Manager

 

Wie Sie im Screenshot sehen, ist sowohl der Notes Client (nlnotes.exe) als auch der Notes Task-Loader (ntaskldr.exe) doppelt gestartet. Auch nach einer beliebig langen Nutzung eines so gestarteten Clients terminiert keine der gestarteten Instanzen eigenständig.

Nach meinen Beobachtungen wird in einem solchen Falle der DCC Prozess niemals aktiv – folglich werden auch keine Policy-Einstellungen übernommen.

Warten Sie also nach dem Beenden des Clients eine längere Zeitspanne – mit 30 Sekunden sollte man auf der sicheren Seite sein. Falls der verwendete PC sehr langsam ist und Sie ein unsicheres Gefühl haben, hilft zur abschliessenden Klärung nur die Kontrolle im Windows Task-Manager weiter.

Notes/Domino Version: 6.x